Was 2020 mich gelehrt hat – Lektionen über Einsamkeit, Heilung und Kontrolle

Aktualisiert: 31. Dez 2020


Zu sagen, dass 2020 ein einfaches oder harmonisches Jahr war, wäre das Understatement des Jahrtausends. Für viele war es das bisher schwerste Jahr ihres Lebens. Es war das Jahr in dem schon lange währendes Chaos, Division und Konflikte einen Höhepunkt erreicht haben – und es hat jeden erwischt. Die Krise, Schmerzen, Einschränkungen und Verbote, die wir dieses Jahr erfahren haben, sind an niemandem spurlos vorübergezogen.


Jede Krisenzeit hält uns den Spiegel vor und sorgt dafür, dass wir Dinge aus einer anderen Perspektive sehen, einordnen und reflektieren können. Damit wir mit diesem Wissen etwas ändern und verbessern können – ob wir nun bereit sind und es wollen oder nicht…


Dieser Blog fasst 7 Lektionen zusammen, die ich – wie viele andere – durch die enormen Herausforderungen des Jahrs 2020 gelernt habe:



1) Wahre Heilung geht immer tiefer und weiter


In wirklich jeder Situation zeigt sich, dass der wichtigste Aspekt bei jeglicher Form der Heilung, ein ganzheitlicher Ansatz ist, der Körper, Psyche und Emotionen berücksichtig und alle drei Ebenen miteinander verbindet (s. Die drei Gehirne).


Egal, wie viel wir bereits gelernt haben und auf dem Heilungsweg vorangeschritten sind, wir können uns und unserem inneren Wissen und unseren Bauchgefühlen immer noch näher kommen. Wenn wir uns selber noch besser kennenlernen und unsere Bedürfnisse und Emotionen priorisieren, können wir erreichen, was vorher kaum möglich erschien – sowohl in Bezug auf unsere Gesundheit als auch unser Leben.




2) Kontrolle loslassen und dem Fluss des Lebens vertrauen


Eine schwere Lektion, die ich als „Kontrollfreak“ dieses Jahr lernen musste, war, dass Pläne – egal wie „gut“ sie auch sein mögen – von jetzt auf gleich vollkommen über den Haufen geworfen werden können. Und dass Flexibilität und Kreativität uns viel weiter bringen als starre Vorstellungen und das Festklammern an Altbekanntem.


So hat uns dieses Jahr gelehrt, uns mehr dem Fluss des Lebens anzuvertrauen und uns für die Möglichkeit zu öffnen, dass Dinge sich so entfalten, wie es für uns am besten ist – auch wenn wir das meist erst viele Jahre später rückblickend erkennen werden...




3) Ohne eine Revolution wird das Gesundheitssystem sterben


Auch vor der Krise war unser Gesundheitssystem alles andere als gesund! Die aktuelle Lage hat uns deutlich gezeigt, dass es ernster ist, als viele bisher erkennen konnten oder sich eingestehen wollten. Dieses alte Modell des Gesundheitssystems liegt im Sterben – zum Glück!


Wenn wir wollen, dass unser Gesundheitssystem dafür sorgt, dass wir wirklich gesund werden – und bleiben – und präventiv und holistisch statt reaktiv und symptomfokussiert arbeitet, muss ein Paradigmenwechsel her. Dieser wird die Gesundheits(r)evolution mit sich bringen, die wir so dringend brauchen.


„Gesundheit“ muss endlich wieder Teil des Gesundheitssystems werden!

Sobald wir erkennen, dass wir unser Wohlbefinden in unseren Händen halten, können wir Teil des Wandels sein, der den Arzt der Zukunft fordert und somit entstehen lässt.





4) Trennung und Distanz im Innen und Außen


Es war unglaublich zu sehen, wie schnell die ganze Menschheit gespalten werden kann. An einem Tag ist alles „wie immer“ und am nächsten ist alles anders, alles zerbricht... Plötzlich war alles, was wir zu kennen und wissen glaubten, passé. Wir mussten erleben, wie ein einziges Thema enge Beziehungen von jetzt auf gleich zu durchtrennen vermochte.


Es schien nur noch Schwarz oder Weiß zu geben. Diese Polarität hat einen Keil in so viele Beziehungen getrieben. Einige sind komplett daran zerbrochen, einige sind auf Abstand gegangen (im wahrsten Sinn des Wortes), einige andere konnten stärker daraus hervor gehen und einige neue konnten entstehen. Aber zu welchem Preis?


Aus Angst, anders zu sein/zu denken/zu handeln, ziehen sich viele Menschen völlig zurück, schweigen, verraten sich und ihre eigene Überzeugung und verstärken die Einsamkeit noch mehr (s. hierzu auch Nummer 7).


Wollen wir da wirklich mitspielen und ein Teil dieser Trennung sein? Lasst uns offen für verschiedene Perspektiven und ehrliche, offene Gespräche bleiben und eine Person nicht aufgrund einer Meinung völlig abschreiben und aus unserem Leben verbannen.



Lasst uns nicht diejenigen sein, die sich innerlich von Menschen distanzieren, die uns wichtig sind, nur weil sie ein anderes Verständnis von einem Thema haben, dessen Ziel es gerade ist, uns zu trennen.

Lasst uns unsere Beziehungen reflektieren und diejenigen stärken, die uns wirklich am Herzen liegen. Wenn wir wissen, was uns wichtig ist, können wir dafür kämpfen, es zu behalten. Wenn wir erkennen, was uns nicht (mehr) wichtig ist, wird es leichter, loszulassen. Und dadurch wird Energie frei, mit der wir uns auf das konzentrieren können, was uns wirklich wichtig ist.




5) Reflektion des eigenen Lebens – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft


So oft versucht uns das Leben sanft wachzurütteln. Es will uns zeigen, wo Veränderungen nötig sind, damit wir unsere Wünsche erreichen und uns weiterentwickeln können. Und dennoch machen wir meistens weiter wie bisher (obwohl wir oft wissen, dass es besser wäre, etwas zu ändern...).


Warum? Weil es in vielen Fällen noch nicht so schlimm ist, dass wir etwas ändern müssen. Dazu kommt noch, dass wir uns über die Jahre an ein gewisses Leidensniveau gewöhnt haben und gar nicht mehr merken, dass es uns nicht gut geht – es fühlt sich einfach „normal“ an.


Wenn wir diesen sanften Aufforderungen nicht freiwillig folgen, werden sie lauter und unangenehmer. Bis wir irgendwann schlichtweg umgehauen werden und keine andere Wahl haben, als unser Leben zu überdenken, herauszufinden, was wir wirklich wollen und die Veränderungen umzusetzen, für die wir bisher „keine Zeit/Möglichkeit/Geld…“ hatten.


In diesem Jahr mussten wir alle erfahren, was es heißt, vom Leben „über Bord geschmissen“ zu werden und in unbekanntem, eiskaltem Wasser zu landen. So viele Menschen mussten im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Überleben kämpfen (u. a. emotional, finanziell, gesundheitlich).


Andere mussten sich völlig neu orientieren und überlegen, ob sie überhaupt dafür kämpfen wollen, zurück auf dasselbe alte Boot zu kommen, oder ob sie auf ein neues warten wollen, oder ob sie aus den Trümmern des alten Bootes ein neues bauen wollen, oder oder oder...


Das Leben fordert uns auf, uns klar zu werden, was wir uns wünschen, uns aufzurappeln und einen neuen, noch nicht dagewesenen Weg einzuschlagen, der dahin führt, wo wir auch wirklich hinwollen, anstatt nur zurück zum Altbekannten zu taumeln.




6) Was uns wirklich wichtig ist


Auf die Frage: „Was ist dir in deinem Leben am wichtigsten und was möchtest du wirklich mit deinem Leben anfangen?“ haben die meisten Menschen keine direkte Antwort. Entweder sie haben sich noch nicht konkreter mit dieser Frage beschäftigt, oder sie wussten es mal und haben so viele Rückschläge erlebt, dass sie den Glauben daran verloren haben, die Dinge, die sie wirklich wollen, zu verdienen oder erreichen zu können.


So unfassbar hart die Einschränkungen unter denen wir dieses Jahr zu leiden hatten auch waren, sie haben uns gezeigt, was uns wirklich wichtig ist. Welche Dinge wir als selbstverständlich angesehen haben, was uns fehlt, wenn uns von außen vorgeschrieben wird, was wir „dürfen“ und was nicht und wie wichtig es ist, selbstbestimmt und frei leben zu können. Das alles haben wir erst dann erkannt, als wir erleben mussten, wie uns alles plötzlich wegegenommen werden konnte.





7) Die Folgen der Einsamkeit – zusammen und allein


Neben den bereits angesprochenen Punkten war die größte Herausforderung des letzten Jahres für die meisten, geliebte Menschen nicht mehr dann und in der Frequenz sehen zu können, wie wir es uns gewünscht hätten.


Wir mussten erfahren, was es bedeutet, in Einsamkeit zu leben. Wo dies für einige im wahrsten Sinne des Wortes zutraf, scheint es für andere geradezu ein Paradox zu sein, da sie monatelang mit ihrer Familie festgesessen haben und sich etwas Zeit alleine gewünscht hätten.


So unterschiedlich diese beiden Szenarien auch zu sein scheinen, wir waren alle auf die ein oder andere Weise mit Einsamkeit konfrontiert. Egal ob wir wirklich alleine oder zusammen ohne „Fluchtmöglichkeit“ eingesperrt waren, Einsamkeit war anwesend.


Es geht hierbei um die Art der Einsamkeit, die nicht durch die reine Anwesenheit anderer Menschen gelöst werden kann... Viele Menschen mussten schmerzhaft erleben, dass man auch einsam sein kann, wenn man nicht alleine ist.

Das Gefühl, in einer Gruppe von Menschen zu sein und sich dennoch einsam zu fühlen, kennen leider sehr viele. Sie fühlen sich nicht gesehen, gehört, verstanden oder zugehörig.

Die Erkenntnis, dass man zusammenwohnt und sich doch fremd und innerlich viel zu entfernt ist, ist unglaublich schmerzhaft – oft sogar mehr, als einfach alleine zu sein.


Dies zu sehen bringt Fragen auf, die das gesamte Leben aus den Fugen hauen können, z. B.:

  • Wer sieht, kennt und liebt mich eigentlich so, wie ich wirklich bin?

  • Wer ist wirklich für mich da, wenn ich jemanden brauche, der sich um mich kümmert?

  • Wer ist bereit, mein gesamtes Spektrum an Emotionen mitzuerleben und bei mir zu sein, egal wie ich mich gerade fühle?


Einsamkeit (alleine sein oder sich alleine fühlen, obwohl man nicht alleine ist) ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen für einen Menschen. Denn sie bedroht das grundlegendste aller menschlichen Bedürfnisse: die Verbindung zu anderen Menschen.


Und falls man zu den wenigen Menschen gehört, die nicht direkt von Einsamkeit betroffen waren (weder intern noch extern), musste man dennoch mit ansehen, wie sehr geliebte Menschen unter der Einsamkeit gelitten haben.


Die Folgen, die diese Form der Trennung mit sich bringt, werden erst in der Zukunft wirklich sichtbar werden und uns zeigen, wie elementar emotionale und psychische Faktoren für unsere Gesundheit sind.




Es gibt noch so viele weitere Dinge, die ich 2020 gelernt habe. Aber vor allem hat mir dieses Jahr gezeigt, wie wichtig mir Freiheit, Eigenverantwortung, Verbindungen mit anderen Menschen, ein gesunder, starker Körper und Tools, mit denen ich emotionale Wunden heilen kann, sind. Außerdem habe ich noch stärker als zuvor erkannt, wie hilfreich es ist, eine größere Perspektive einnehmen und das „big picture“ sehen zu können.


Wie ist es mit dir? Was war die größte Lektion, die das Jahr 2020 dich gelehrt hat? Teile es mit uns in den Kommentaren unter diesem Blog.


Zum Schluss möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei dir bedanken, dass du Teil der Meine Bauchgefühle Revolution bist. Das bedeutet mir wirklich sehr viel. Es wird auch große Auswirkungen auf andere Menschen in deinem Leben haben. Nichts ist wertvoller, als das Wissen über die eigene Kraft und das unendliche Potential, das in jedem von uns steckt. Danke, dass du dich informierst und anderen damit hilfst, ihr Potenzial zu erkennen!



Alles Liebe und hör auf deine Bauchgefühle

Marina




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