Gesund und natürlich abnehmen [Teil 1 - Körper]

Aktualisiert: 5. Mai 2020

Die größten Irrtümer und Hürden beim Abnehmen und wie es wirklich klappt - 17 Tipps


Abnehmen ist ein beliebtes Thema – gerade zu dieser Jahreszeit. Überall werden wir mit Ratschlägen bombardiert, wie wir überflüssige Pfunde schnell loswerden und unsere „Bikinifigur“ erreichen können. Durch die ständige Abdeckung dieses Themas scheint es, dass wir sehr viel darüber wissen. Dennoch gelingt es nur den wenigsten, ihr Wunschgewicht zu erreichen oder langfristig aufrechtzuerhalten... Wieso ist das so? Ist es vielleicht doch mangelndes Wissen oder liegt es eher daran, dass die allgegenwärtigen Informationen missverständlich oder teilweise sogar falsch sind?


Es gibt viele Faktoren, die das Abnehmen erschweren können. Wie alle Themen auf Meine Bauchgefühle wollen wir auch dieses beliebt-berüchtigte Thema ganzheitlich/auf drei Ebenen (körperlich, psychisch, emotional) angehen. Wir wissen, dass alles im Körper zusammenspielt, sich gegenseitig beeinflusst und dass Wohlbefinden nur ganzheitlich wiedererlangt und aufrechterhalten werden kann. Dasselbe gilt für‘s Abnehmen.


Dieser Blog ist der erste Teil der Reihe „Gesund und natürlich abnehmen“ und behandelt das Abnehmen auf körperlicher Ebene (der Bauch im Drei Gehirne-Modell). Hierin befassen wir uns mit den größten Irrtümern und Hürden beim Abnehmen und schauen hinter die Diät-Fassade. Außerdem erwarten dich 17 Tipps, wie du deinen Körper beim Abnehmen unterstützen kannst. In Teil 2 erfährst du, wie du das Abnehmen auf mentaler/psychischer Ebene (Kopf) unterstützen kanst und in Teil 3 befassen wir uns mit dem Einfluss der emotionalen Ebene (Herz).


Beginnen wir mit einer Frage: Was fällt dir als erstes zum Thema Abnehmen ein?


Diät, Sport, Kalorien, Kohlenhydrate, Fett, Heißhunger, Verzicht, Wiegen, Frust... Das sind einige Begriffe, die meist mit dem Abnehmen assoziiert werden. Dass viele Menschen relativ ähnliche Assoziationen haben, liegt daran, dass wir überall mit diesen Infos „gefüttert“ werden – sei es in der Werbung, in Zeitschriften oder durch bekannte Abnehm-Programme.



Die Abnehm-Formel


Schauen wir uns das allgemeine Verständnis einmal genauer an und beginnen mit der Standard „Abnehm-Formel“. Diese folgt der Gleichung:


Weniger Kalorien/Essen + mehr Sport + Willenskraft + Selbstkritik = Gewichtsverlust


Diese „altbekannte“ Herangehensweise bringt jedoch einige Probleme mit sich:

  • Wenn Abnehmen so funktionieren würde, gäbe es nicht so viele missglückte Diätversuche und Alle wären mittlerweile dünn und glücklich und würden ihr Gewicht halten, wenn sie einmal abgenommen haben. Das ist allerdings nicht der Fall. Der berüchtigte Jojo-Effekt – bei dem man nach erfolgreicher Gewichtsreduktion wieder zunimmt und nachher meist mehr wiegt als vorher – scheint ein ständiger Begleiter aller Diäten zu sein.

  • Wenn diese Gleichung stimmen würde, müsste man alles zählen, was rein geht und was verbraucht wird. D. h. wir müssten beim Essen und Sport ständig rechnen. Eine stressige Vorstellung! (Dass Stress beim Abnehmen alles andere als hilfreich ist und sogar zur Gewichtszunahme führen kann, besprechen wir später und in Teil 2 noch genauer). Der Irrtum dieser Prämisse ist offensichtlich: Woher soll man wissen, wie viel man zu sich genommen und verbraucht hat? Das Konzept der Kalorien wurde erst vor 150-200 Jahren entwickelt. Bedeutet das, dass man das Gewicht vorher nicht beeinflussen konnte? Natürlich nicht!

  • Diese Gleichung ist so fest in unseren Köpfen verankert, dass viele verzweifeln und denken, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, dass es nur bei ihnen nicht klappt, dass sie einfach nicht genug Willenskraft haben, oder dass es an ihren Genen liegt. Das führt zu einem Gefühl von Machtlosigkeit und hat häufig Resignation zur Folge.


Die oben genannte Gleichung ist folglich nicht die Lösung für erfolgreiches und nachhaltiges Abnehmen. Sie lässt viele relevante Faktoren außer Acht, wie z. B.:

- Stoffwechsel

- Hormone

- Stress

- Nährstoffdefizite

- Entzündungen im Körper

- Nahrungsmittelunverträglichkeiten

- Schlaf-/Wachrhythmus

- Qualität des Essens

- Individualität

- Psychische und emotionale Faktoren

- Die Tatsache, dass einige Nahrungsmittel süchtig machen können und genau dafür konzipiert werden, dass wir immer mehr von ihnen essen „müssen“



Wie geht es denn dann...?

Bisher haben wir es auf eine bestimmte Weise (s. Gleichung) versucht und es hat nicht geklappt – zumindest nicht langfristig. Kurzfristig und schnell abzunehmen funktioniert bei einigen Menschen, das Gewicht dann aber zu halten, bei den wenigsten.


Es ist verständlich, dass man aufgibt, wenn man schon unzähligen Diäten gefolgt ist und nichts zu funktionieren scheint. Das ganze Thema damit aber aufzugeben, versperrt den Weg für neue Herangehensweisen, die wirklich helfen. Es ist an der Zeit, die Sache anders anzugehen! Was hast du zu verlieren?



Eine andere Herangehensweise


Wenn ein Weg so offensichtlich nicht funktioniert, müssen wir dann vielleicht genau das Gegenteil von dem tun, was wir bisher versucht haben...?! Das ist nicht unbedingt wörtlich zu verstehen – wobei einige Menschen tatsächlich mehr essen und weniger Sport treiben müssen, um abzunehmen...!


Hinter die Diät-Fassade schauen


Um erfolgreich, gesund und nachhaltig abnehmen zu können, müssen wir hinter die Diät-Fassade blicken und erkennen, dass es bei einer „neuen Herangehensweise“ nicht darum geht, mehr Willenskraft zu bekommen, um strikten Vorgaben folgen zu können oder andere Wege finden, wie wir noch weniger essen und mehr trainieren können. Vielmehr geht es um das Verständnis, den Körper nicht mehr als Feind zu sehen, der bekämpft werden muss, sondern als jemanden, der unsere Hilfe braucht, um sich wieder wohl und frei fühlen zu können (mehr dazu in Teil 2).


Es geht darum, den Körper zu unterstützen, zu nähren und ihm auf allen Ebenen (!) zu geben, was er braucht, um gesund zu sein. Ein völlig anderer Ansatz als der von Diäten, die den Körper durch Nahrungsentzug zu Veränderungen zwingen wollen!




Was steht dem Abnehmen auf körperlicher Ebene im Weg?


Im Folgenden schauen wir uns die größten Irrtümer und Hürden beim Abnehmen auf körperlicher Ebene an.


IRRTÜMER:


Ich muss eine Diät machen

Nein! Im Gegensatz zum gängigen Verständnis geht es beim erfolgreichen Abnehmen nicht darum, einer Diät zu folgen, sondern darum, einen gesünderen Lifestyle zu entwickeln! Das Wort „Diät“ bedeutet in seinem Ursprung „Lebensweise“. In unserem Sprachgebrauch meint es jedoch meist, eine auf kurze Zeit angelegte Veränderung des Essverhaltens (meist weniger essen), um abzunehmen und danach wieder zum vorherigen Verhalten zurückzukehren... Eben dem Verhalten, das zum Übergewicht geführt hat. Wen wundert da der Jojo-Effekt?!


Die meisten wissen, dass sie sich anders/gesünder ernähren sollten, wenn sie abnehmen wollen. Wie das aber genau aussehen soll, ist oft unklar. Diese Verwirrung nutzen Nahrungsmittelhersteller aus und bieten z. B. Diätprodukte an. Da viele Menschen nicht wissen, was sie ändern sollen, wählen sie die Nahrungsmittel, die das Versprechen bereits im Titel tragen und entsprechend vermarktet und angepriesen werden.


Diese Produkte sind jedoch alles andere als gesund und können der Gesundheit sogar schaden! Sie werben oft mit einem geringeren Fettanteil (Grundlegende Prämisse: Fett ist das (einzige) Problem), enthalten stattdessen aber Unmengen Zucker oder künstliche Geschmacksverstärker und sonstige Zusatzstoffe, die den Körper noch weiter aus dem Gleichgewicht bringen und das Abnehmen erschweren.



Ich muss Kalorien zählen

Der Körper ist keine Maschine oder mathematische Gleichung. Kalorienzählen beim Abnehmen ist selten hilfreich oder sinnvoll. Das Kalorienkonzept übersieht den enormen Unterschied, den es macht, 500 Kalorien Kuchen oder 500 Kalorien Brokkoli zu konsumieren. Mathematisch gesehen ist es dasselbe, körperlich und gesundheitlich gesehen, etwas völlig anderes! Kuchen und Brokkoli werden ganz anders verstoffwechselt und haben einen völlig anderen Einfluss auf den Körper und seine Prozesse. Aus diesem Grund ist das Kalorienkonzept alleine beim Abnehmen nahezu irrelevant.


Natürliche, ganze Lebensmittel aus der Natur können nicht dauerhaft überkonsumiert werden. Tausend(e) Kalorien Gemüse passen einfach nicht in den Magen – können durch Softdrinks, Pizza und Süßigkeiten etc. jedoch schnell erreicht werden.

Es geht vielmehr um die Qualität (Art), als die Quantität (Kalorien) des Essens.


Ich muss abnehmen, um gesund zu werden


Eine geläufige Annahme ist, dass wir abnehmen müssen, um gesünder zu werden. Es ist jedoch genau andersherum: Wir nehmen ab, wenn wir gesünder werden. Der Körper will nicht übergewichtig sein und das überschüssige Gewicht mit sich tragen.

Übergewicht ist ein Symptom eines Ungleichgewichts im Körper.

Wenn wir herausfinden, was die Ursache für das Übergewicht ist, sind wir bereits einen großen Schritt weiter und wissen, wo wir ansetzen können. Wenn wir uns mit der Ursache(n) beschäftigen, können wir den Körper ganzheitlich unterstützen, diese zu lösen und Schritt für Schritt gesünder zu werden. Dadurch verschwindet das Gewicht von ganz alleine.



Ich muss gewisse Lebensmittelgruppen meiden

Die Bedeutung, die Fett, Kohlenhydraten und Kalorien zugeschrieben wird, ist die Grundlage vieler weiterer Irrtümer. Da jeder etwas anderes zu empfehlen scheint (Low/high-carb, low/high-fat, high-protein...) und das ganze Thema so verkompliziert wird, sind viele Menschen verwirrt und überfordert und tun daher gar nichts.


Eine häufige Empfehlung ist die Einschränkung von Kohlehydraten. Dabei wird jedoch übersehen, dass Obst und Gemüse genauso Kohlenhydrate sind, wie Brot, Pasta und Süßigkeiten. Der Körper braucht alle drei Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Protein, Fett) in dem für ihn optimalen Verhältnis, um sich gut fühlen und abnehmen zu können. Daher ist die kategorische Einschränkung oder der Verzicht auf gewisse Makronährstoffe selten hilfreich.


Um Veränderungen herbeiführen und abnehmen zu können, müssen wir den Körper nähren und ihm all die Nährstoffe geben, die er braucht um optimal funktionieren zu können. Auch hier lautet das Credo: Qualität statt Quantität!



HÜRDEN:


Gesundes Essen schmeckt nicht

Eine der häufigsten Hürden in Bezug auf gesundes Essen ist die Überzeugung, dass gesundes Essen nicht schmeckt. Es stimmt, dass natürliche Lebensmittel anfangs etwas fade und langweilig schmecken können. Konsumiert man hauptsächlich verarbeitete Produkte, gewöhnen sich die Geschmacksknospen auf der Zunge an den hohen Zucker-, Salz- und Fettgehalt und die künstlichen Inhaltsstoffe dieser Produkte. Auch das Darm-Mikrobiom (das ansagt, worauf wir Hunger haben) hat sich an diese angepasst und verlangt regelrecht nach ihnen.