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Bestohlen - Die unglaubliche Geschichte einer verrückten Nacht und ihrer Folgen

Aktualisiert: 10. Nov. 2021

Dies ist der mittlerweile 40. Meine Bauchgefühle Blog, der etwas anders und viel privater ist, als die bisherigen. Diesmal erzähle ich von sehr verrückten Ereignissen, die ich Mitte August 2021 erlebt habe. Es geht dabei unter anderem um einen Fehler, den ich gemacht habe, darum wie aus einem Komfortzonen-Erweiterungsversuch eine Komfortzonen-Sprengung wurde, wie ein Tag voll von Tanz in einer schlaflosen Nacht induklusive Diebesjagd endete sowie die Verwunderung darüber, wie viele positive und negative Dinge gleichzeitig passieren können.


Da ich oft gefragt wurde, was genau passiert ist und dies eine längere Geschichte ist, möchte ich sie auf diese Weise etwas ausführlicher mit euch teilen. Einige Punkte wirken nahezu an den Haaren herbeigezogen und unglaubwürdig – was uns nur wieder zeigt, dass die Realität absurder als Fiktion sein kann und dass das Leben die „besten“ Geschichten schreibt. Also, legen wir los.


Alles begann ganz harmlos…


Komfortzonen-Erweiterungsversuch

Treffen sich ein russischer Tanzlehrer, ein ukrainischer IT-Experte, eine bulgarische Ingenieurin und eine deutsche Blondine (moi 😉). Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, war der Beginn eines verrückten und nahezu unglaublichen Wochenendes, das vieles auf den Kopf gestellt und mich einiges über Stress und Resilienz gelehrt hat.


Alles begann damit, dass mich eine Bekannte, die ich ein Jahr zuvor an einem ebenso schrägen Tag voller verrückter Synchronizitäten im Park kennengelernt hatte, gefragt hat, ob ich sie zum Tanzunterricht eines älteren ehemaligen russischen Tänzers begleiten wollte.


In der Vergangenheit hätte ich eine solche Einladung aus Unsicherheit und vielen anderen Gründen direkt abgelehnt. Da ich mittlerweile jedoch immer auf der Suche nach Möglichkeiten bin, meine Komfortzone auszuweiten und noch nie Tanzunterricht hatte, entschloss ich mich eines Tages, mitzugehen. Allerdings fiel genau an jenem Tag das Tanzen aus und fand erst einige Wochen später wieder statt. So viel zum Thema „Belohnung für mutige Entscheidungen“… 😉


Die folgende Tanzstunde hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir – Russe, Bulgarin, Ukrainer und ich – am Abend weiter tanzen wollten und uns für eine der öffentlichen Tanzveranstaltungen in München verabredeten. Auch dazu hätte ich früher wohl „nein“ gesagt, aber da das Wetter ausnahmsweise einmal richtig schön war, ich etwas Neues erleben, weitere tolle Leute kennenlernen und über mich hinauswachsen wollte, sagte ich zu.


Der erste Eklat

An dieser Stelle passierte der erste Eklat... Kurzfassung: Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Tanzlehrer und einer Angestellten des Bereichs in dem wir getanzt hatten. Verschiedene Sprachen und kulturelle Hintergründe sowie persönliche Trigger führten dazu, dass sich die Situation immer weiter zuspitzte. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen – nur so viel: es wurde sehr unangenehm und ging so weit, dass zwei Polizisten einschreiten mussten.


Mögen die Tänze beginnen

Als wir abends an der Pinakothek der Moderne ankamen, wo die Tanzveranstaltungen normalerweise stattfinden, war seltsamerweise niemand vor Ort. Auf der Rückseite des Museums trafen wir jedoch auf eine andere Gruppe Tänzer, denen wir uns anschließen konnten. Ehrlichgesagt hatte ich das meiste, das ich in der Tanzstunde am Nachmittag gelernt hatte, schon wieder vergessen. Aber jeder Tanzpartner half mir geduldig mit den Schritten und wir hatten eine tolle Zeit.


Nachdem wir viele verschiedene Tänze getanzt hatten, zogen wir weiter zum argentinischen Tango am Königsplatz. Es herrschte eine wunderschöne Stimmung und es war sehr beeindruckend, den Tänzern dieses faszinierenden Tanzes vor solch einer wunderschönen Kulisse bei warmem Licht in einer milden Sommernacht zuzuschauen! Um 22 Uhr machten sich die anderen schließlich auf den Nachhauseweg.


Ich wollte noch etwas bleiben und wurde kurz darauf von einem netten Herrn zum Tangotanzen aufgefordert. Zunächst lehnte ich ab, weil ich diesen Tanz noch nie getanzt hatte und unter den anderen Tänzern nicht störend auffallen wollte. Der Herr versicherte mir jedoch, dass dies kein Problem sei und ich mich nur führen lassen müsse. Da mir genau das besonders schwerfiel, wollte ich es zumindest einmal probieren. Es war tatsächlich anders als bei den anderen Tänzen, aber dennoch eine große Herausforderung. Alles in allem hat es aber viel Spaß gemacht und war eine tolle Erfahrung.


Eigentlich war es bis dahin schon ein interessanter und ereignisreicher Tag für mich gewesen: Ein multikulturelles Sammelsurium neuer Bekanntschaften, meine erste Tanzstunde, tolle Tänze und sogar ein Eklat mitsamt Polizeiauftritt… Warum auch immer, sagte jedoch etwas in mir, dass ich noch mehr erleben, weitertanzen und weitere tolle Menschen kennenlernen wollte. Soweit so gut.


Allerdings hätte ich auf das, was danach passieren sollte, gut verzichten können…


Da ich nicht wusste, wo ich noch zum Tanzen hingehen konnte, ging ich wieder zurück zur Pinakothek, um zu sehen, ob die anderen, die ich bereits kannte, dort noch tanzten. Leider war niemand mehr vor Ort. Jedoch war auf der anderen Seite der Pinakothek mittlerweile viel los. Da ich dort allerdings niemanden kannte und es auch keine „organisierte“ Tanzveranstaltung war, entschied ich mich schließlich doch, wieder nach Hause zu fahren. Um diese wunderschöne Nacht noch etwas zu genießen, machte ich mich zu Fuß auf den Weg zur übernächsten Tramhaltestelle.


Und dann kam der Moment, der der Nacht die kritische Wendung gab.


Die kritische Wendung

Anstatt weiter geradeaus zur Haltestelle zu gehen, bog ich spontan rechts ab, um zu sehen, ob dort noch eine Tanzveranstaltung stattfand, da Lichter und Musik dies vermuten ließen. Plötzlich hörte ich ein freudiges „Hello!“ von einem sympathischen Typ mit Strohhut, der auf mich zu kam. Ich erwiderte dasselbe und fragte auf Englisch, ob wir uns kennen würden, da er mir bekannt vorkäme? Er verneinte und sagte, dass er aus Ecuador sei. Da es dunkel war, er einen Hut trug und ich niemanden aus Ecuador kannte, hatte ich mich wohl getäuscht.


Er war Ende 20, hatte kurze schwarze Haare und war sehr gut gelaunt. Er stellte sich als Juan vor und wir unterhielten uns auf Englisch, da er kaum Deutsch sprach. Juan fragte mich, ob ich mit ihm und seinen Bekannten zum Tanzen an der Pinakothek kommen würde. Ich verneinte und erklärte, dass ich schon auf dem Nachhauseweg sei. Er blieb jedoch hartnäckig und überzeugte mich. Immerhin war ich sowieso auf der Suche nach Leuten gewesen, mit denen ich dort tanzen konnte. Außerdem war ich neugierig, was Ecuador meinem bisher schon internationalen Tag noch mitgeben würde.


Juan und ich verstanden uns auf Anhieb super. Was ihn so interessant machte, war unter anderem, wie süß und gleichzeitig total cool er war. Eine tolle Kombination. An der Pinakothek trennten wir uns von den anderen und suchten einen Platz zum Tanzen. Wir legten unsere Taschen, Rucksack und seinen Hut auf dem Boden ab und begannen, daneben zu tanzen. Lustigerweise wurde dort hauptsächlich spanische Musik gespielt. Wir tanzten lange und selbst ein Laie wie ich merkte sofort, wie anders es ist, mit einem „echten Latino“ zu tanzen. 😉


Während des Tanzens haben wir immer wieder ein Auge auf unsere Sachen geworfen. Wir genossen die Nacht, die Musik und das Tanzen. Und dann passierte es: Beim nächsten Blick auf die besagte Stelle war außer Juans Hut dort plötzlich nichts mehr zu sehen...


Im ersten Moment wollte ich es nicht wahrhaben und schaute mich verwirrt um. Ich hoffte inständig, dass das alles nur ein Missverständnis war und jemand vielleicht nur alles zur Seite geräumt hatte. Aber unsere Sachen waren tatsächlich verschwunden. In mir zog sich alles zusammen. Ich verstand die Welt nicht mehr und in meinem Kopf brach das reinste Chaos aus. Ich war wütend und enttäuscht. Wieso hatten wir unserer Sachen auch nur eine Sekunde aus den Augen gelassen?! Da ich sie vor einigen Momenten noch gesehen hatte, mussten sie noch in der Nähe sein. Daher ging ich sofort los, um sie zu finden.


Verzweifelt lief ich auf und ab und fragte einige Leute, ob sie etwas gesehen hätten. Aber nichts…


Juan hatte nur noch seinen Hut und sein nahezu leeres Handy, das er in seiner Hosentasche trug. Alles andere – Schlüssel, Portmonee, Papiere etc. – war weg. Und alle meine Sachen waren fort: Schlüssel, Handys (dummerweise hatte ich an diesem Tag mein berufliches UND privates dabei), MVV Ticket, 17 Euro, meine Sonnenbrille, eine Glasflasche und und und. Glücklicherweise hatte ich jedoch keine Ausweise oder Karten dabei. Das einzige, das ich in diesem Moment noch an mir hatte, waren mein luftiges, kurzes, buntes Sommerkleid und meine Schuhe. Selten habe ich mich trotz Kleidung so nackt gefühlt.


Ich war völlig überfordert und wusste nicht weiter… Wie sollte ich denn jetzt nach Hause, geschweige denn in die Wohnung kommen? Wen könnte ich um Hilfe bitten, wenn ich kein Handy, Nummern oder Geld hatte? Was würden die Diebe mit meinen Sachen anstellen? Dies waren nur einige der vielen Fragen, die plötzlich durch meinen Kopf rasten. Was sollte ich denn jetzt nur tun?


An dieser Stelle überschlugen sich die Ereignisse.


Die Polizei, dein Freund und Helfer?

Zum Glück entdeckte ich eine Ansammlung vieler Polizisten an der beiliegenden Straße. Ein Anblick, der mich etwas beruhigte. Sie könnten uns sicher helfen! Mit Juan im Schlepptau marschierte ich schnurstracks auf sie zu und berichtete verzweifelt, dass wir gerade bestohlen worden waren. Allerdings reagierten sie kaum und sagten nur, dass wir zum Präsidium gehen und eine Anzeige aufgeben sollten. Ich konnte es nicht glauben. So weit konnten unsere Sachen ja noch nicht gekommen sein und die Polizei tat einfach NICHTS, um uns zu helfen, sie zu finden?!


Nach dieser Enttäuschung entschieden wir uns, erst einmal alleine weiter nach unseren Sachen zu suchen. In der Hoffnung, etwas wiederzufinden, gingen wir den ganzen Bereich mehrmals ab und fragten zudem einige Umherstehende, ob sie etwas beobachtet hätten. Leider vergebens… Es war sehr dunkel und noch dazu waren viele Leute dort versammelt. Also entschieden wir uns nach einiger Zeit doch, zum Präsidium zu gehen, das praktischerweise direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag.


Ich war so froh, dass Juan bei mir war und die ganze Zeit versucht hat, mich zu beruhigen. Alleine wäre ich wahrscheinlich noch überforderter gewesen und vollkommen ausgeflippt.


Eine nicht sehr nette Polizistin auf dem Präsidium half uns leider auch nicht weiter – und hat es nicht einmal versucht... Völlig gefühlslos meinte sie nur, dass wir eine Anzeige aufgeben, dies aber auch wann anders auf einem anderen Präsidium tun könnten. Am wichtigsten sei es, nach Hause zu fahren, um zu verhindern, dass der Dieb mit den Schlüsseln in die Wohnungen gelangen könnte. Wir sollten jemanden anrufen, der zu unseren Wohnungen fahren und dort aufpassen würde. Ähhh… Wie denn ohne Handy, Nummern oder Geld und mitten in der Nacht?!


Juan erzählte mir, dass er mit einer Mitbewohnerin zusammenwohnte, die jedoch gerade im Urlaub sei und auch er ohne Schlüssel daher nicht in seine Wohnung käme. Auch wüsste er niemanden, der zu seiner Wohnung fahren und dort nach dem Rechten schauen könnte.


Da es länger dauern würde, die Anzeige aufzugeben, wollten wir erst einmal weiter nach den gestohlenen Sachen suchen. Vielleicht hatte der Dieb die Wertsachen mittlerweile entfernt und den Rest weggeworfen. Beim Verlassen des Präsidiums trafen wir noch andere Leute, die ebenfalls gerade bestohlen worden waren.


Der Akku von Juans Handy war fast leer und ich kannte nur eine Nummer auswendig. Dort meldete sich jedoch – wie um 2 Uhr nachts nicht anders zu erwarten – nur der Anrufbeantworter. Ich hinterließ eine Nachricht, um die Nummer der Person zu erhalten, die am nächsten an meiner Wohnung wohnte. Diese Option war nun jedoch nicht mehr sehr vielversprechend...


Die Suche nach dem Dieb

Also entschieden wir uns, weiterzusuchen… Mir fiel ein, dass ich während des Tanzens jemanden in der Nähe unserer Taschen gesehen hatte. Ich dachte, dass diese Person dort Pfandflaschen einsammeln würde, die auf dem Boden abgestellt worden waren. Ich erinnerte mich vage an einen großen Typ mit weißem Shirt, wenigen, hellen Haaren und einer kurzen schwarzen Hose. Da uns nichts anderes übrigblieb, hielt ich zusätzlich zu unseren Sachen auch nach so einem Mann Ausschau. Man würde meinen, dass diese Beschreibung auf viele Leute zuträfe – dem war jedoch nicht so… Und wie hoch war überhaupt die Wahrscheinlichkeit, dass der Dieb sich weiterhin in diesem Bereich aufhielt?


Nach längerer Suche entdeckte ich jedoch jemanden, auf den diese Beschreibung grob zutraf. Ich schätze, dass der besagte Mann ungefähr Mitte 30 war. Er war sportlich, etwas größer als ich und trug zudem einen schwarzen Rucksack, ein umgedrehtes rotes Basecap sowie einen Basketball unter dem Arm. Ich war alles andere als sicher, dass es sich um denselben Mann handelte.


Aber was hatte ich zu verlieren?!


Da ich sonst keine Option hatte, sagte ich zu Juan, dass ich ihn ansprechen würde. Er meinte, dass das nichts bringen würde und wir weiter nach unseren Sachen suchen sollten. In meiner Ratlosigkeit wollte ich es jedoch zumindest versuchen und keine Chance auslassen, sie zu finden.


Hilfe von LKA und CIA

Ehrlich gesagt hatte ich KEINE Ahnung, was ich dem Typ sagen sollte. Aber ich war so verzweifelt, dass ich einfach auf ihn zuging und losredete. Wahrscheinlich war meine Hoffnung, dass er sich ertappt fühlte und auf mein Bitten hin die Sachen zurückgeben würde. Ziemlich naiv, aber okay…


Wie sich herausstellte, brauchte ich gar keinen Plan. Ich erzählte ihm, dass gerade alle unsere Sachen gestohlen worden waren und bevor ich noch etwas sagen konnte, unterbrach er mich und sagte beruhigend, dass es gut sei, dass ich ihn angesprochen hätte. Er sei nämlich Polizeipsychologe und Hacker beim LKA (Landeskriminalamt) und CIA und könne mir helfen, mein Handy aufzuspüren. Er könne sich in mein Handy – und meinen Kopf – hacken und so die Sachen wiederfinden. WTF?!


Ich dachte nur: „Ist das jetzt ein Scherz oder ein Riesenglück, dass ich genau den Typ angesprochen habe, der uns weiterhelfen kann?!“ Der Mann mit dem der Polizeipsychologe zusammenstand, fing an zu lachen und ich fragte ihn, warum er lache und ob das alles stimmte oder nur Blödsinn sei. Er meinte, dass alles, was sein Kumpel gesagt hatte, stimmte. Um uns zu beruhigen und zu beweisen, dass er legitim sei und die Wahrheit sagte, zeigte uns der LKA Typ auf seinem Handy seine Polizeipsychologen-Webseite.


Ich wusste nicht, ob ich das alles glauben sollte oder nicht. Einerseits klang es ziemlich verrückt und andererseits schien dies die einzige Chance zu sein, unsere Sachen aufzuspüren. In meiner Verzweiflung war ich bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen. Daher fragte ich ihn, ob er mit zu den Polizisten auf der Straße kommen würde, mit denen ich vorher bereits gesprochen hatte, um das alles verifizieren zu lassen.


Er war bereit und so marschierten wir zu dritt zurück zu den Polizisten an der Straße. Ich erzählte diesen noch einmal, dass wir gerade bestohlen worden waren und der Polizist erwiderte nur kühl und abweisend: „Sie waren doch eben schon bei meinem Kollegen.“ Ich schilderte die aktuelle Situation und fragte, ob sie den Mann als Mitarbeiter des LKA verifizieren konnten. Sie fragten ihn nach seinem Ausweis, woraufhin dieser erwiderte, dass er nicht mehr im aktiven Dienst sei. Er hätte aber früher mit dem LKA zusammengearbeitet.


Dann wurde es immer wirrer.


Er sprach vom LKA, dann vom BKA und von der CIA. Der Polizist fragte, was er denn jetzt täte, wenn er nicht mehr im aktiven Dienst sei und unser Helfer/Verdächtiger antwortete, dass er jetzt Profibasketballer bei der NBA sei und hier an der Uni spiele. Das ging einige Zeit so hin und her. Gelinde gesagt, es war ein ziemlich verrücktes Gespräch. Um uns zu überzeugen und seine Geschichte zu belegen, rief er dann von seinem Handy beim LKA an, dessen Nummer er in seinen Kontakten hatte. Nach einigen einführenden Sätzen gab er dem Polizisten sein Handy und dieser sprach im Auto mit dem LKA.


Nachdem das Gespräch beendet war, nahm der Polizist mich zur Seite und gab seinem Kollegen den Wink, den Typ vorerst bei sich zu behalten. Dann berichtete er mir, dass dies die allgemeine Nummer des LKA gewesen war, die man im Internet finden konnte. Sie würden den Mann dort nicht kennen und ich solle ihm meine Daten lieber nicht geben. Ich war sehr enttäuscht, da unsere einzige Option sich nun aufzulösen schien.


Wir sprachen ein wenig und schließlich sagte ich ihm, dass ich den Typ ursprünglich angesprochen hatte, weil er auf die Beschreibung des möglichen Diebs passte. Der Polizist erwiderte, dass dies ein Tatverdacht sei und fragte mich, ob sie ihn durchsuchen sollten. Ich war mit meinen Nerven völlig am Ende und wollte nicht, dass der Typ, der als einziger so hilfsbereit gewesen war, wegen mir Schwierigkeiten bekäme oder es nachher auf mich zurückfallen würde, dass er durchsucht wurde.


Juan, der unserer deutschen Unterhaltung kaum folgen konnte, kümmerte sich im Hintergrund um das Sperren seiner Konten. Es war das pure Chaos auf einer belebten, dunklen Straße mitten im nächtlichen München… Dann bekam der Polizist mit dem ich gerade sprach eine Nachricht über sein Headset und entfernte sich für einige Zeit. Juan meinte ebenfalls, dass ich unserem Polizeipsychologen nicht trauen und ihm meine Daten nicht geben sollte.


Als der Polizist wiederkam, fragte er nochmal, ob er den Typ durchsuchen sollte. Ich fragte, ob dies möglich sei, ohne dass es auf mich zurückfallen würde? Könne man ihn nicht durchsuchen, weil er gesagt hatte, dass er vom LKA sei und das nicht stimmte? Der Polizist verneinte. Deutete dann aber auf sein Headset und meinte: „Sagen wir mal so, er ist nicht gerade unbekannt und könnte auf andere Beschreibungen zutreffen“. Er wurde wohl gerade über sein Headset über etwas informiert, das mit dem Typ im Zusammenhang stehen könnte. Also gab ich mein „Go“ für die Durchsuchung.


Bestohlen Meine Bauchgefuehle Diebstahl

Der Polizist gab seien Kollegen, die den Typ während unserer Unterhaltung beiseite gehalten hatten, das Zeichen, dessen Rucksack zu durchsuchen. Sie konnten jedoch nichts finden. Der Typ blieb sehr freundlich und sagte auch später als er sich entfernte noch einmal, dass er gerne helfen würde, ohne Daten aber nichts tun könne.


Falls er das alles tatsächlich nur vorgegeben hatte, würde das bedeuten, dass er das Ganze nicht zum ersten Mal abgezogen hatte. Denn schließlich konnte er uns seine Webseite auf seinem Handy zeigen und hatte die LKA Nummer in seinen Kontakten gespeichert. Ich wunderte mich sehr über den „Zufall“, dass ich genau ihn gesehen und angesprochen hatte, obwohl ich ihn alles andere als sicher wiedererkannt hatte. Es war vielmehr ein Schuss ins Blaue – nur um überhaupt irgendetwas zu tun.


Die nächste und verrückteste Wendung

Ok, so viel zur Diebesjagd... Der nächste Schritt war nun, so schnell wie möglich nach Hause zu fahren, um zu verhindern, dass jemand mit den Schlüsseln „einbrechen“ würde. Da die Diebe nur Juans und nicht meine Adresse hatten, war es dringender, zu ihm zu fahren. Also fragte ich Juan, wohin er müsse und er nannte den Stadtteil, in dem er wohnte. Ich meinte: „Das passt gut, da wohne ich auch. Wo dort genau?“ Er sagte, in welcher Straße er wohnte und ich erwiderte: „Echt?! Ich auch. Wo genau?“. Als er die Nummer nannte, konnte ich nur noch ein erstauntes: „ICH AUCH…!“ ausstoßen.


Ernsthaft?! Wie verrückt konnte es denn noch werden?!


Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. DAHER „kannte“ ich ihn. Ich sagte zu ihm: „Ich habe doch direkt gesagt, dass du mir bekannt vorkamst als du mich angesprochen hast und dich gefragt, ob wir uns von irgendwoher kennen…“


Er wohnte seit ein paar Monaten im selben Haus wie ich. Wir hatten uns aber nur zweimal ganz kurz gesehen, weil wir Pakete füreinander angenommen hatten. Da wir sehr viele Nachbarn haben und ständig welche kommen und gehen haben wir uns nicht wiedererkannt. Ich bin fast ausgeflippt. Die Polizisten, die am Rande alles mitbekommen hatten, konnten es auch nicht glauben…


Es fühlte sich so wirklich so an, als ob ich im falschen Film gelandet sei.


Dieses verrückte Detail machte es nun jedoch noch dringender, nach Hause zu kommen. Denn wenn die Diebe schlau gewesen wären, hätten sie merken können, dass wir denselben Schlüssel hatten und hätten in beide Wohnungen gelangen können. Da wir inzwischen bereits einige Zeit mit der Suche nach dem Dieb und der Polizei verloren hatten, hätten sie mittlerweile schon längst an unserem Haus angekommen sein können. (Dass es jedoch keine besonders schlauen, sondern eher komische Diebe waren, zeigt ein weiteres Detail am Ende der Geschichte.)


Bestohlen Meine Bauchgefuehle Diebstahl

Schnell nach Hause, aber wie und was dann…?

Jetzt, wo klar war, dass wir dasselbe Ziel hatten, bestand die nächste Herausforderung darin, nach Hause zu kommen – ohne Geld oder Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel… Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, war ein Taxi zu finden, das uns kostenlos mitnehmen würde. Die Polizei war so nett anzumerken, dass sie uns nicht fahren und wir die öffentlichen Verkehrsmittel ohne Ticket nicht nutzen dürften.


Exakt in diesem Moment hielt auf der anderen Straßenseite ein Taxi. Ich lief sofort rüber und gerade, als ich den Fahrer fragen wollte, ob er uns umsonst mitnehmen würde, stieg auf der anderen Seite ein Mann ein. Dessen Freund bemerkte meine Verzweiflung darüber und sprach mich an. Ich erklärte kurz, was los war und erkundigte mich, wohin sie fuhren. Ihr Ziel war ganz in der Nähe von unserem und ich fragte, ob sie uns bis dahin mitnehmen würden. Sie willigten ein und gemeinsam stiegen wir ins Taxi.


Im Taxi stellten unsere Mitpassagiere fest, dass sie an diesem Tag bereits mit eben diesem Taxifahrer gefahren waren. Es gab ein sehr freudiges Widersehen zwischen ihnen. Wir fuhren los und auf dem Weg erzählte ich aufgeregt und fassungslos, was bisher gesehen war. Auch sie konnten es nicht glauben.


Ich war so froh und erleichtert, Juan bei mir zu haben und das alles nicht alleine durchstehen zu müssen. Wir saßen im selben Boot – bzw. Taxi – und die ganze Situation hatte uns schnell zusammengeschweißt.


Als wir ca. 15 Minuten später das Ziel der beiden erreicht hatten, welches zwei Kilometer von unserem entfernt lag, bedankten wir uns herzlich für die Mitfahrgelegenheit. Ich fragte den Taxifahrer, wohin er als nächstes fahren und ob es in unserer Richtung liegen würde. Da er die ganze Geschichte mitbekommen hatte, fuhr er uns kostenlos bis nach Hause. Was für ein Glück – gleich zweimal.


Mittlerweile waren Juan und ich ziemlich nervös und fragten uns, ob die Diebe unsere Wohnungen bereits ausgeraubt hatten. Jetzt waren wir zwar zu Hause, hatten aber nach wie vor keine Möglichkeit, reinzukommen und dies herauszufinden.


Glücklicherweise hatte ich meinen Zweitschlüssel vor kurzem in einer nahegelegenen Wohnung deponiert. Allerdings war die Frage, ob dort gerade überhaupt jemand zu Hause war? Wir gingen hin und nach vielen Klingelversuchen – wer öffnet denn auch nachts um drei einfach die Tür, wenn jemand sturmklingelt?! – und einem weiteren glücklichen Zufall, wurde uns geöffnet. Dadurch hatten wir nun wenigstens einen Schlüssel und die Möglichkeit, in meine Wohnung zu kommen.


Erleichtert stellten wir fest, dass noch niemand versucht hatte, sich Zugang zu verschaffen. Ich setzte mich sofort an meinen Laptop, um meine Handys zu lokalisieren. Laut Ortung befanden sie sich immer noch am Ort des Diebstahls. Ich setzte beide Handys in den Verloren-Modus und hinterließ, mit einem sehr bestimmten Text und der Aufforderung zur Rückgabe meiner Handys, eine Rückrufnummer: Juans.


Ich dachte mir, dass wenn die Handys noch am Tatort seien, müssten wir sie dort auch finden können und entschied, dass wir wieder zurückfahren und weiter nach unseren Sachen suchen sollten. Allerdings fuhr der erste Bus erst wieder um fünf Uhr morgens. Wir luden Juans Handy auf und hielten meine auf der Karte im Auge. Langsam und zäh zog sich die Wartezeit dahin.


Es klingelt?!

Und dann klingelte plötzlich Juans Handy. Verwundert fragten wir uns, wer denn morgens um vier Uhr anrufen würde? Ich schaute auf das Handydisplay und erkannte, dass es sich um meine Nummer handelte… Wir schauten uns verdutzt an und waren unsicher, was das zu bedeuten hatte und was wir tun sollten. Riefen uns vielleicht die Diebe an, um einen Austausch vorzuschlagen?


Juan hob ab, schaltete den Lautsprecher ein und ich sagte vorsichtig: „Hallo?“. Mit angehaltenem Atem warteten wir auf die Reaktion auf der anderen Seite. Aber nichts. Das einzige, das wir hörten, war… ein Freizeichen. Wir waren ziemlich verwirrt. Nach einigen weiteren Freizeichen erklang plötzlich eine Stimme: Meine… Mein Anrufbeantworter hatte sich angeschaltet. Es war so, als ob WIR mein Handy angerufen hätten. Dabei hatte die Nummer doch uns angerufen! Wir verstanden die Welt nicht mehr.


Mittlerweile war es bereits nach vier Uhr und wir waren beide völlig k.o. Gleichzeitig war ich vollkommen aufgeregt und überdreht. Da der Standort meines Handys (es wurde nur eins angezeigt) weiterhin am selben Ort angegeben wurde, machten wir uns um fünf Uhr mit dem ersten Bus auf den Weg zurück zum Tatort. Wir hofften, dass die Diebe unsere Sachen inzwischen irgendwo in eine Ecke oder einen Mülleimer geworfen hatten.


Als wir nach über einer Dreiviertelstunde den Tatort wieder erreicht hatten, war es bereits hell geworden und die vorher so belebte Stelle war nun fast menschenleer. Wir suchten alles ab, konnten jedoch nichts finden. Wir waren enttäuscht und völlig übermüdet. Da wir sowieso schon vor Ort waren, wollte ich noch schnell unsere Anzeige aufgeben und wenigstens diesen Punkt abhaken. Also machten wir uns auf den Weg zurück zum Präsidium…


Bestohlen Meine Bauchgefuehle Diebstahl

Die nächste Überraschung auf dem Präsidium

Dieses Mal mussten wir lange vor der Tür des Polizeipräsidiums warten, bevor wir reingelassen wurden. In dieser Zeit ließen wir die Nacht mitsamt der vielen seltsamen Ereignisse noch einmal Revue passieren und waren von den vielen Fragezeichen in unseren Köpfen völlig verwirrt. Als wir per Summer reingelassen wurden, war weit und breit niemand zu sehen. Die unfreundliche Polizistin von unserem ersten Besuch hatte wohl Feierabend (oder heißt es in diesem Fall Feiermorgen?).


In dem Moment, als der zuständige Polizist um die Ecke bog, dachte ich zum wer weiß wievielten Mal in dieser Nacht: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Ich hatte ihn als einen der beiden Polizisten wiedererkannt, der bei der Auseinandersetzung nach der Tanzstunde am Nachmittag eingeschritten war. Ich sagte nur: „Hallo schon wieder.“ Ich glaube aber nicht, dass er mich wiedererkannt hat. Es war alles einfach total verrückt.


Ich schilderte ihm den Grund unseres Besuchs, woraufhin er uns informierte, dass die Aufnahme der Anzeige etwas länger dauern würde – ca. 30 Minuten. Aus diesen 30 Minuten wurden jedoch fast drei Stunden. Es ist unglaublich, was wir alles aufschreiben und aufnehmen mussten. Um ca. halb zehn morgens verließen wir endlich völlig erschöpft und frustriert das Präsidium.


Dann sah ich auf dem Weg zur Tram, wie sich in der Ferne eine Putzkolonne nach beendeter Arbeit gerade vom Tatort entfernte. Schnell liefen wir hinterher, um herauszufinden, ob sie unsere Sachen gefunden hatten. Und tatsächlich: Sie hatten einen Rucksack gefunden – allerdings nicht Juans… Sowie ein Handy – allerdings nicht meins. Na toll…


Wie geht’s jetzt weiter?

Also fuhren wir wieder zurück nach Hause – in meine Wohnung, da Juan ohne Schlüssel weiterhin nicht in seine kam. Nach der ganzen Aufregung und dem Chaos der vergangenen Nacht und dem langen „Verhör“ auf dem Präsidium, war ich völlig k. o. Da ich die kommende Nacht jedoch nicht durch Schlafen am Tag ruinieren wollte, entschied ich mich, jetzt nicht mehr schlafen zu gehen. Ich hatte an diesem Tag sowieso einiges zu erledigen und wollte mir etwas Klarheit über die ganze Situation verschaffen.


Durch die Überforderung, den Schlafmangel und fehlendes Essen, hatte ich jedoch Probleme, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Zudem hatte ich keine Ahnung, was in einer solchen Situation zu beachten war und welches die nächsten Schritte waren. Nachmittags gingen wir noch kurz in den Park, um meiner bulgarischen Bekannten, die ich ohne Handy anderweitig nicht erreichen konnte, kurz zu berichten, was passiert war.


Eine interessante Tatsache, die ich am Abend entdeckte, war, dass man so müde sein kann, dass man BEIM Essen einschläft – und trotzdem weiter kaut... Wahrscheinlich hätte ich normalerweise lauthals darüber gelacht, aber der Schlafmangel hatte mich voll im Griff und ich wollte einfach nur noch ins Bett und das Ganze vergessen.


Juan verbrachte die nächsten Nächte bei einem Freund, um sich die hohen Kosten für den Einsatz des Schlüsseldienstes am Wochenende zu sparen. Er hatte sich bereits um den Zweitschlüssel seiner Vermieterin gekümmert, der bald zu ihm unterwegs sein würde. Das Unfassbare hierbei ist, dass Juans Freund am nächsten Tag den eigenen Schlüssel in seiner Wohnung vergaß und sie nun doch den Schlüsseldienst rufen mussten. Ist das zu fassen?! Als Juan mir dies später erzählte, konnte ich über die Verrücktheit der ganzen Situation nur lachen.



Da ich diesen Blog erst einige Zeit nach dem Diebstahl veröffentliche, kann ich an dieser Stelle auch über die weiteren seltsamen Geschehnisse berichten, die im Anschluss an dieses verrückte Wochenende passiert sind: Darüber, was noch alles schief- bzw. gut gelaufen ist und wie die ganze Geschichte schließlich ausgegangen ist…



Es kommt noch dicker…

Als wenn das alles nicht schon genug gewesen wäre, fing der Stress nach dieser Nacht erst richtig an. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Gedanken: „Das kann doch alles nicht wahr sein“ so oft in kürzester Zeit denken könnte, nur um zu erfahren, dass immer noch weitere merkwürdige Dinge passieren würden.


Ich hatte angenommen, dass ich nach einer großen Portion dringend notwendigen Schlafs am nächsten Tag wieder fit wäre. Aber das war weit gefehlt… Egal wie müde man ist, die Nacht ist wahrscheinlich nicht so erholsam, wenn man die Tatsache im Hinterkopf hat, dass Fremde jederzeit in die Wohnung gelangen könnten. Am nächsten Morgen war ich völlig fertig und erst nach dem Aufwachen kam die gesamte Situation überhaupt bei mir an.


Und auf einen Schlag kam dann ALLES hoch.


Am Tag zuvor hatte ich lediglich im Überlebensmodus funktioniert und wurde vom Autopiloten gesteuert. Die Ausmaße und Folgen der ganzen Geschichte wurden mir jetzt erst klar. Und erst in diesem Moment setzte der Schock und die wahrnehmbare körperliche Stressreaktion ein. Vorsichtig ausgedrückt: Es war alles andere als schön…


Ich fühlte mich völlig hilflos, unsicher, ängstlich, ärgerlich, allein und überfordert. Die Tränen strömten meine Wangen hinunter, der aufgestaute Stress löste sich schluchzend aus meinem Brustkorb, mein ganzer Körper zitterte und ich hatte das Gefühl, zusammenzubrechen. Nachdem ich an diesem Tag noch weitere schlechte Nachrichten erhielt, fing ich sogar noch an, zu hyperventilieren – auch eine neue Erfahrung…


Die Monate vor diesem Vorfall waren bereits eine sehr stressige Zeit für mich gewesen. Und nun war wohl endgültig die Grenze erreicht. Diese so konkret zu spüren, war krass. Da dies für meine Arbeit natürlich sehr relevant und spannend ist, habe ich alles – während ich es durchlebte – aufmerksam beobachtet. Eine sehr interessante Erfahrung, gleichzeitig „drinnen“ und „draußen“ zu sein.


Es musste weitergehen und ich musste alles irgendwie klären.


Zusätzlich zum Schock über alles was passiert war, kamen an diesem und den nächsten Tagen immer weitere schlechte Nachrichten auf mich zu – einige in Bezug auf diese Situation, andere privater Art. Durch eine Mail von Apple, die mich informierte, dass in der Nacht jemand versucht hatte, meinen Apple-Account wiederherzustellen, geriet ich in Panik. Waren die Diebe schon in meine Handys gelangt und versuchten nun, sich Zugriff auf meine Daten zu verschaffen? Konnten sie bereits private Fotos, Kontakte, Mails etc. einsehen? Was würden sie mit diesen Daten anstellen?


Ich wusste nicht, was das bedeutete oder was ich tun sollte. Und ohne Handy konnte ich auch niemanden fragen oder um Hilfe bitten. Ich fühlte mich völlig allein und ratlos und verzweifelte immer mehr.


Wachsende Verwirrung

Kurze Zeit später gab es einen weiteren Vorfall: Ein Missverständnis mit der Hausverwaltung, die die Mail, in der wir sie über den Diebstahl der Schlüssel informiert hatten, wohl falsch verstanden hatte. Da sie mich nicht erreichen konnten, kontaktierten sie Juans Vermieterin, die wiederum Juan anrief, der wiederum mir eine Mail schrieb und fragte, ob alles ok wäre, da seine Vermieterin ihm gesagt habe, dass die Hausverwaltung sie informiert hatte, dass es einen Einbruch in unser Haus gegeben hätte. Hä?!


In einem späteren klärenden Gespräch mit der Hausverwaltung erfuhr ich zudem, dass die Schließanlage des gesamten Hauses nun ausgetauscht werden müsste. Und uns das mehrere Tausend Euro kosten würde, da wir keine bzw. wohl nicht die richtige Versicherung hätten. Das konnte einfach nicht wahr sein! Es musste doch eine andere Möglichkeit geben?! Die Begründung, warum nicht nur das Schloss der Hauseingangstür getauscht werden konnte, war, dass man es den anderen Hausbewohnern nicht zumuten könne, einen zweiten Schlüssel zu haben. Ernsthaft jetzt?!


Die Hausverwaltung wollte den Kostenvoranschlag der Schließfirma abwarten und uns dann über die tatsächlich anfallenden Kosten informieren. Wie sich zeigte, würde dies weit über eine Woche dauern, da die Firma genau in dieser Woche im Urlaub war. (Un)perfect Timing…


Die Unsicherheit über die Höhe der entstehenden Kosten sowie die fehlende Versicherung bzw. die Unklarheit, ob etwas übernommen werden würde, bereiteten Juan und mir in der folgenden Zeit große Sorgen. Wir zerbrachen uns den Kopf darüber, welche alternativen Möglichkeiten es geben könnte, sodass nicht die gesamte Anlage ausgetauscht werden müsste.


Mein Stresspegel stieg weiter an, als ich eine Liste der entstandenen Kosten erstellte und notierte, was nun alles zu erledigen war. Bei allen Stellen, mit denen ich Dinge klären musste, hörte ich nur, dass ich hier und da anrufen sollte, um Informationen zu erhalten… Wie denn, ohne Handy?!


Kurz: Ich war völlig überfordert und überlastet.


Eine gute Nachricht gab es zumindest: Juan wurde noch am Tag des Diebstahls von der Polizei informiert, dass sein Portmonee (inkl. aller Karten, Ausweise usw.) wiedergefunden worden war. Es war am Tatort oben auf einer Treppe in eine Ecke geworfen worden. Somit hatte er alle Wertsachen außer seinem Schlüssel wieder. Von meinen Sachen gab es jedoch weiterh